Diese von oben eher unscheinbar wirkende Brücke, die über die Themse führt, ist die jüngste einer ganzen Reihe von Brücken, die an dieser Stelle stand und heut unter dem Namen London Bridge bekannt ist.

Die jetzige Brücke wurde 1973 eingeweiht, allerdings hat an dieser Stelle schon seit der römischen Besetzung eine Brücke gestanden, also schon vor über 2.000 Jahren. Viele Brücken kamen und gingen in der darauffolgenden Zeit, aber es dauerte bis 1209, als endlich eine wirklich große Brücke errichtet wurde.
Um die mittelalterliche London Bridge zu erbauen brauchte es unglaubliche 33 Jahre, allerdings war sie zu der dermaligen Zeit auch tief beeindruckend, da sich über die ganze Brücke Geschäfte verteilten, die sich im Erdgeschoss der bis zu siebenstöckigen Wohnhäuser befanden (die Briten lebten damals nicht unter, sondern auf der Brücke).

600 Jahre lang leistete die Brücke gute Dienste als Wohnstätte und Passage über die Themse, aber letztendlich entschied man sich doch für einen Neubau; die alte Brücke war zu baufällig, zu schmal und bot herunterfahrenden Schiffen zu wenig Platz für die neuen Bedürfnisse Londons.
Thomas Telford (das englische Google Sightseeing berichtete bereits über ihn) reichte 1799 einen Architektenvorschlag ein, der einen einzigen Eisenbogen vorsah, um die gesamte Themse zu überspannen. Allerdings hatte die Stadt zu viele Bedenken, was die Stabilität dieser Konstruktion anging. Die Konstruktion, die schließendlich 1831 fertig gestellt wurde – und zwar 30 Meter von der ursprünglichen Brücke entfernt, stammte von dem schottischen Ingenieur John Rennie.
Um die Jahrhundertwende herum wurde die “Neue” London Bridge inzwischen so stark frequentiert – jede Stunde wurde sie von über 9.000 Menschen überquert – dass sie unbedingt weiter ausgebaut werden mußte; somit wurde sie ganze 4 Meter breiter. An der inzwischen stillgelegten Eisenbahnstrecke am alten Sweltor Steinbruch in Dartmoor sieht man immer noch einige übrig gebliebene Granitsteine, die für den Ausbau zwar vorgesehen waren, aber niemals benutzt wurden.

Unglücklicherweise konnte das Fundament das zusätzliche Gewicht, welches durch die Verbreiterung entstanden war, nicht tragen, und so begann es immer weiter in den Flussboden einzusinken – zwar nur um 3 Zentimeter alle acht Jahre, aber es wurde klar, dass man auf lange Sicht eine neue Brücke bauen musste.
Und da dies schließlich in einem der verrücktesten Länder der Welt passierte (wer frittiert schon Marsriegel und isst Minzeis am Stiel?), wurde die alte Brücke nicht einfach abgerissen, sondern 1967 zum Verkauf angeboten. Es dauerte nicht mal ein Jahr, bis sich ein Käufer fand: Robert P. McCulloch, Besitzer der McCulloch Oil Gesellschaft – und vor allem Amerikaner, was diesen wahnwitzigen Kauf am besten erklärt, erwarb die London Bridge für 2,4 Millionen Dollar und ließ sie Stein für Stein abtragen, um sie in Lake Havasu City, Arizona wieder aufzubauen.

Der Geschichte nach dachte McCulloch fälschlicherweise, dass er die (zweifellos begehrenswertere) Tower Bridge kaufte, aber natürlich wurde dies vehement bestritten. Wie dem auch sei, die rekonstruierte London Bridge bildet das Prunkstück des Englisch gestylten Freizeitparks, der seidem Arizonas zweit beliebteste Touristenattraktion geworden ist – nur der Grand Canyon wird noch mehr besucht.
(Über die London Bridge wurde im englischen Google Sightseeing schon mal 2006 berichtet).